Um 23:00 werden wir geweckt. Wobei wecken ein bisschen der falsche Ausdruck ist da keiner von uns geschlafen hat. Langsam kriechen wir aus den Schlafsäcken und montieren gleich nochmals eine Lage Kleider. Dann gibt’s Frühstück. Keiner hat Huger. Wir versuchen aber alle etwas zu essen. Ich esse Porridge. Ist schliesslich gesund und warm. Dann heisst es Stirnlampen montieren und raus vor die Hütte. Bav braucht eine Zigarette, der Rest von uns eine Toilette. Wir stehen zitternd und bibbernd in der Kälte. Unklar ob wir wegen der Kälte oder der Aufregung zittern. Dann geht es Schlag auf Schlag. Wir sollen unsere kleinen Tagesrucksäcke mit dem Wasser und dem Fotoaparat den Hilfsführern übergeben. Dannach werden wir in 3 Gruppen aufgeteilt. Ich laufe in einer Gruppe mit Maike und Guy. Nach wenigen Metern realisiere ich, dass ich wohl in der schnellsten Gruppe bin. Mir wird schlecht. Himmel, auch das noch. Bin ich die erste die aufgibt? Ich bitte den Guide stehen zu bleiben. Das ist gar nicht so einfach. Der Typ spricht nur Suaheli und ich habe die einfachsten Worte auf Suaheli vergessen. Schliesslich stehen wir still. Endlich kann ich kurz durchatmen und meine Nase putzen. Danach geht es mir besser.
Unser Hauptguide Suleiman hat uns eingeholt und stellt uns nochmals in eine Einerkolonne. Dann gehts ab. Mist, wollte doch Suleiman nochmals nach den wichtigsten Wörtern in Suaheli fragen (Wasser, Pause und vorallem ” ich klapp gleich zusammen wenn wir mit diesem Tempo weitergehen”).
Wenigstens weiss ich was langsam heisst. Pole, Pole. Nachdem wir 3 Tage lang Pole, Pole den Berg hochgeschlichen sind, schnuppert der Hilfsguide den Gipfel. Da will er hin. Als erster, falls möglich. Wir überholen Gruppe um Gruppe. Wanderen die Anderen im Zick-Zack, gehen wir auch mal gerade den Berg hoch. Irgendwie schaffen wir es an die Spitze. Pause ist nicht. Langsam werde ich sauer. Mir ist kalt und ich habe Durst. Ich will eine Pause. Maike schafft es den Guide von einer Pause zu überzeugen. Geschafft werfen wir uns auf den nächsten Felsen. Ich stehe allerdings gleich wieder auf. Mein Hintern gefriert. Wir grinsen bereits wieder in die Gegend. Es ist cool an der Spitze zu gehen. Weiter geht’s. Plötzlich fängt Guy an schwer zu atmen. Ich drehe mich um. Frage ob es ihm gut geht. Er schüttelt den Kopf und übergibt sich und ist völlig fertig. Maike zieht sogar ihre Handschuhe aus um seine Finger zu wärmen. Zu sowas bin ich nicht fähig. Meine Finger sind selbst eiskalt. Ich reiche ihm Kleenex und umarme ihn. Schon gehts weiter. Der Guide will jetzt so schnell wie möglich zum Gipfel.
Ich versuche dem Guide auf den Fersen zu bleiben. Bleibe dann immer wieder stehen und leuchte Maike und Guy den Weg. Es geht steil nach oben und der Weg ist von Kies und Sand bedeckt. Man rutscht leicht aus. Als wir auch noch über Felsblöcke klettern müssen, wird Guy gezogen und gestossen. Wir erreichen Gilman’s Point auf 5681 Metern. Erleichtert fallen wir uns in die Arme. Kurz nach uns treffen Eamon und Eimear ein. Eamon hat sich bereits 7 mal übergeben. Eimear nur 2 mal. Aber sie hatte Durchfall. Eine Horrorvorstellung. Sie hat sicherheitshalber schon 2 Immodium geschluckt.
Isa ein weiterer Guide kümmert sich jetzt um Guy. Guy will unbedingt fotografiert werden. Mit meinen eiskalten Fingern kann ich den Fotoaparat aber nicht halten. Isa übernimmt. Guy wirft sich in Pose. Dann geht es weiter. Plötzlich steht Guy an der Spitze der Gruppe. Ich glaube ich spinne. Vorher will der Junge sterben, lässt sich von uns verhätscheln und dann geht er ab? Nach ca. 20 Minuten fragt Guy dann nach. Wie lange dauert es noch bis wir wieder unten sind? Äh… wir sind noch auf dem Aufstieg. Das gibt ihm den Rest. Er übergibt sich nochmals. Wenig später erwischt es auch Maike. Mir geht es immer noch gut. Wir nähern uns Stella Point. Hier gibt es nochmals eine kurze Pause. Jetzt ist der Gipfel aber in Sichtweite. Die letzten 100 Höhenmeter ziehen sich allerdings unendlich in die Länge. Dann haben wir es geschafft. Wir erreichen Uhuru Peak auf 5895 Metern tatsächlich bei Sonnenaufgang.
Dann geht alles sehr schnell. Wir werden zum Gipfelschild geschoben, fotografiert und schon sind wir auf dem Retourweg. Jetzt werde ich bockig. Ich latsch doch nicht fast 4 Tag um nicht mal 10 Minuten die Aussicht geniessen zu können. Aber da ist nichts zu machen. Nächster Halt ist dann erst wieder Gilmans Point. Hier essen wir etwas und schauen den Berg runter. Zum ersten mal sehen wir den Zick Zack Weg. Wir gehen aber so ziemlich gerade runter. Quer durch’s Geröll. Das macht richtig Spass.
Um kurz vor 09:00 morgens sind wir dann wieder in der Kibo Hütte. Ich muss dringend mal auf’s WC. Rascher als mir lieb ist gehe ich in die Knie. Hoffentlich komme ich wieder hoch ohne absitzen zu müssen oder ohne mit den Händen den Boden berühren zu müssen. Aber auch das klappt. Glück gehabt. Dann geht es ab in den Schlafsack. Wir warten auf die Anderen. Um 11:00 kommt Graham angewankt. Wenig später Bav. Von John fehlt jede Spur. Wir fragen Isa nach John. Er sagt, John komme mit 2 Guides runter. Tatsächlich, John wankt wenig später auch in die Hütte. Jetzt sollen wir was essen und weitergehen. Wir müssen runter in die nächste Hütte auf 3700 Metern. Das heisst nochmals 4h tschumpeln. Bav motzt. Graham heult fast und John sagt überhaupt nichts mehr. Wir anderen müssen jetzt los. Die restlichen Gruppenmitglieder, Bav und die beiden Schotten, dürfen sich nochmals hinlegen.