Archive for April, 2010

Der Flughafen von Santiago

Sunday, April 4th, 2010

Nachdem ich mich nach verschiedenen Möglichkeiten für meine Weiterreise erkundigt habe und die Pläne auf der Plaza de Armas eingehend studiert habe, entschied ich mich schweren Herzens für die Heimreise.

Gemäss Website funktioniert auf dem Flughafen alles wie immer und man merkt vom Erdbeben überhaupt nichts mehr. Als ich im Hotel nachfragte wieviele Stunden man vor Abflug am Flughafen sein soll, rollte der Rezeptionist nur die Augen. Er schlug dann mal 4h vor. Das erschien mir dann doch etwas viel. Ich gab ihm die Abflugszeit meiner Maschine dann mal falsch an. Somit sollte ich etwa 3h vor Abflug am Flughafen sein. Reichlich Zeit wie ich fand. Was mich dann am Flughafen erwartete überraschte mich aber doch. Es gab jede Menge Partyzelte. Die Zelte dienten als Wartehallen. Vorallem für die Nationalen Flüge. Ich ging durch das Internationale Zelt hindurch. In den Zelten gab es neben Stühlen auch Imbiss-Ecken und Souvenirs zu kaufen. Irgendwie kam bei mir ein bisschen Jahrmarkt Stimmung auf.  Vorallem als ich die Reihen mit den Toi-Toi WC’s sah.

Einchecken konnte ich im Flughafen Gebäude. Da war alles total improvisiert. Eine Gepäckwaage gab es nicht. Das Gepäck wurde einem Mann ausgehändigt und der schleppte meinen Rucksack dann auch gleich weg.  Für die Zollkontrolle musste ich die Treppe hoch. Da habe ich fast einen Lachanfall bekommen. Die Beamten sassen nämlich an kleinen Tischen irgendwo im Raum. Als ich nach der Kontrolle etwas ratlos stehen blieb erklärte mir der Beamte fröhlich das ich mich zwischen den Tischen in den anderen Raumteil begeben soll. Handgepäck Kontrolle gab es. So eine Art. Mein Laptop wollte keiner sehen und als ich meine Jacke ausziehen wollte wurde ich auch angeschnauzt… weitergehen.  Das Flughafenpersonal trug teilweise Helme. Ob das mit den fehlenden Deckenplatten zu tun hatte oder ob die immer Helme tragen weiss ich nicht.

Da die meisten Fingerdocks beschädigt waren, mussten wir mit dem Bus zum Flugzeug gebracht werden. Obwohl alles chaotisch wirkte, klappte es doch ausgezeichnet. Erstaunlich.

Über den Flug und die Zwischenlandung gibt es nicht so viel zu sagen. Wie immer war ich in Kloten gespannt ob ich und mein Gepäck es gleichzeitig an den gleichen Ort geschafft haben.  Nachdem ich fast alle Leute ihr Gepäck hatten und ich mir schon überlegte ob ich wirklich wichtige Dinge im Rucksack habe, kam mein Rucksack auch an. Irgendwie habe ich ein bisschen am Gepäck-Träger in Santiago gezweifelt…

Santiago de Chile

Sunday, April 4th, 2010

Wirklich gespannt war ich was mich in Santiago wohl erwarten würde. Ich freute mich sehr auf Santiago. Santiago sollte mein Ausgangspunkt für meine Reise in die Mitte von Chile werden. Diesen Plan hatte ich natürlich vor den Erdbeben gemacht. Als ich aus der U-Bahn kam, wusste ich nicht was ich erwarten sollte. In Mendoza wurde mir von einer Reise nach Chile abgeraten und auch im halbgefüllten Bus nach Chile wollten eigentlich die Meisten nur zum Flughafen und Chile schnellst möglich verlassen.

Um es kurz zu machen. Ich ging die Treppe hoch und landete mitten in einer pulsierenden Metropole. Ich war wie erschlagen.  Als ich mich umschaute merkte ich das ich zufälligerweise den einzigen nicht beschädigten und somit geschlossenen Aufgang erwischt habe. 

Das Leben in Santiago geht weiter. Die Geschäfte sind offen, die Leute gehen ihren Jobs nach und kaufen ein. Im täglichen Leben merkt man eigentlich nicht, dass hier erst gerade ein oder besser mehrere grössere Erdbeben waren.  Die Strassenhändler verkaufen Notbeleuchtungen. Da ich aber noch nie in Santiago war kann ich nicht sagen ob sie immer Notbeleuchtungen verkaufen oder eben ihr Sortiment der Situation angepasst haben. Immer wieder kommt man an Absperrungen und muss die Strassenseite wechseln, Strassen haben Risse und ab und zu liegt Schutt rum. Aber wie gesagt, das Leben geht weiter.

In Santiago wollte ich mir ein bisschen Kultur reinziehen. Hier gibt es nämlich viele Museen und Aussichtspunkte die ich mir unbedingt anschauen wollte. Da es auch einen Hop on Touristenbus gibt wollte ich, wie in Buenos Aires, zuerst mal alles aus dem Bus anschauen. Wo der Bus fahren sollte wartete ich eine Weile.  Als kein Bus kam, machte ich mich zu Fuss zu den näheren Sehenswürdigkeiten auf. Schnell musste ich aber feststellen das sämtliche Museen und alles was für Touristen einigermassen interessant ist, geschlossen war. Überall wurde mir von freundlichen Wächtern gesagt dass das Museum oder die Kirche wegen des Erdbebens bis auf weiteres geschlossen bleibt.

Immerhin gibt es ungeheuer viele Shoppingmöglichkeiten in Santiago. Die Parks sind auch ganz toll. Ausserdem habe ich mir die Kirchen und Museen halt von aussen angeschaut.

Ach ja, der Touribus. Der fährt. Allerdings hat es mit Hop on, Hop off nicht viel zu tun. Ein Bus tourt durch die Stadt. Mehr braucht es aber auch nicht.  Ich sah genau einmal einen Mann im Bus sitzen.

Ausflüge in die Umgebung waren mangels Touristen leider auch nicht möglich. Verständlicherweise gab es eine Mindestteilnehmerzahl. Also schrieb ich mich mutig für so ziemlich alles ein. Ich war der Meinung das sich neben mir sicher noch ein zweiter Touri finden lässt. Ich schien aber tatsächlich die Einzige zu sein. Somit war auch mein Ausflugsprogramm gestrichen.  Sehr traurig war ich aber nicht. Bei Nachfrage stellte sich nämlich immer raus dass das Programm nur sehr reduziert durchgeführt werden konnte.

Eigentlich mega schade das ich diese faszinierende Stadt nicht unter anderen Bedingungen kennenlernen konnte. Die Stadt bietet nämlich wirklich einiges.

Mendoza – Santiago de Chile

Thursday, April 1st, 2010

Obwohl mir Mendoza sehr gut gefallen hat, wollte ich wieder nach Chile. Wollte mir selber ein Bild machen ob das Reisen nach den Erdbeben wirklich so schwierig sein würde. Da es in den Bergen so schön war kam nur eine Busfahrt während des Tages in Frage. Einmal mehr stellte ich mir die Frage warum mein Gepäck in nur 2 Tagen sein Volumen mindestens verdoppeln konnte. Unter leisem jammern und schimpfen würgte ich alles in den Rucksack. Anschliessen ging es zu Fuss zum Busbahnhof.  Da die meisten Busse Doppeldecker sind habe ich mir einen Platz in der ersten Reihe oben gebucht. Leider hatte die Panoramscheibe einen oder bessere mehrere Risse im Glas. Schade. Gleichzeitig mit mir stieg auch Julian ein. Julian der etwas hysterisch veranlagte Engländer hatte den Platz neben mir. Als Julian den Riss im Glas sah wollte er gleich Platz wechseln.  Da ich aber offensichtlich geübter und abgebrühter war und einfach die Sonnenbrille anzog wollte Julian auch nicht das Weichei spielen.  Kaum hatten wir die Autobahn erreicht wurden wir von einer Demonstration aufgehalten. Da das Ganze aber äusserst friedlich war, habe ich mein Sandwich ausgepackt und mich halt einfach auf einen längeren Stopp eingerichtet. Wir hatten Glück. Nach knapp 45 Minuten konnten die Reise weitergehen. Der Weg war ein ähnlicher wie ich am Vortag bei meinem Ausflug in die Berge genommen hatte. Einziger Unterschied bis zur Grenze würde sein, dass wir statt dem Pass den Grenztunnel nehmen würden. Die Fahrt war wunderschön. Das Wetter war fantastisch. Sogar der Aconcagua zeigte sich komplett wolkenlos. Da wir aber Zeit aufholen mussten die Strasse holperig und die Fensterscheibe voller Risse war, kann ich leider kein Beweisfoto liefern.

Langsam begann ich meinen Rucksack nach Dingen zu durchsuchen welche mir die Einreise erschweren konnten. Das Einführen von Milchprodukten, Früchten, Nüssen sowie Fleisch ist nämlich verboten. Julian geriet in Panik. Er hatte noch 2 Salamisandwichs in seiner Tasche. Ich habe noch nie jemanden so schnell ein Sandwich essen gesehen…. beim 2. Sandwich machte er dann schlapp und ass nur noch das Fleisch. Er würde das Brot (inkl. Butter) deklarieren oder wegwerfen….

Soweit waren wir aber noch nicht. Zuerst mussten wir durch den Grenztunnel und auf der anderen Seite des Tunnels erwartet uns eine Baustelle. Da hiess es wieder warten. Als wir zur Grenze kamen war ich gespannt wie es wohl diesesmal laufen würde. Nachdem wir den Bus verlassen hatten wurden uns zahlreiche Merkblätter in die Hand gedrückt. Richtiges Verhalten bei Erdbeben, Tsunamis und wie man Trinkwasser aufbereitet. Julian sah mich schockiert an. Da die Merkblätter spanisch geschrieben waren, verstand er natürlich gar nichts. Die Wasseraufbereitung hat ihn fertig gemacht. Auf meine Frage ob er keinen Filter und keine Wasseraufbereitungstabletten dabei habe, schüttelte er nur entsetzt den Kopf. 

Die Ausreise aus Argentinen war ein Klacks. Wir mussten nur an 2 Schaltern anstehen und da die Busse nach Chile zur Zeit viele freie Sitzplätze haben dauerte das Ganze Prozedere auch nicht lange. Es folgte die Einreise nach Chile. So ein Grenzübertritt in Südamerika hat immer etwas überraschendes. Wir mussten uns in einer Reihe aufstellen, Julian immer an meiner Seite.  Die Einreiseformulare wurden eingesammelt. Anschliessend mussten wir alle gemeinsam vortreten und unser Handgepäck auf einen langen Tisch legen. Jetzt kamen die Hunde und suchten verbotene Substanzen, also Früchte, Käse und Fleisch. Ich muss wohl nicht erwähnen das sich der Hund ganz speziell für mein Handgepäck interessierte. Jetzt war es an Julian mir einen triumphierenden Blick zu zuwerfen.  Der Hund fand natürlich nichts. Jetzt wurde unser ganzes Gepäck, auch das Handgepäck, noch geröngt. Dann hiess es zurück in den Bus. Dort vermisste ich Julian…. sein Gepäck wurde zerlegt… jetzt triumphierte ich. Aber nur ein bisschen.

Die restliche Fahrt verlief ganz ruhig. Nachdem wir vorher auf über 3000 Meter hochgefahren sind, hiess es nun den Pass wieder runterzufahren. Am späteren Nachmittag kamen wir dann in Santiago an.  Ich besorge mir am Busbahnhof immer einen Stadtplan. Julian fand das eine Gute Idee. Er folgte mir wie ein Schatten. Du sprichst wenigstens die Sprache, war sein Argument. Da Julian bereits ein Hotel gebucht hatte, überlegte ich mir ob ich einfach mit ihm gehen sollte. Ich hatte nämlich noch keine Unterkunft gebucht. Nachdem wir den Stadtplan hatte, stellte sich herraus, dass die Lange von seinem Hotel nicht so toll war. Schade. In Santiago gibt es eine U-Bahn und Julian wollte mit der U-Bahn zu seinem Hotel fahren. Ok. Gegen U-Bahn ist ja nichts einzuwenden. Als wir im Untergrund auf unsere Bahn warteten wollte Julian nochmals eine Übersetzung der Erdbeben Merkblätter. Nach kurzem Zögern habe ich ihn dann gefragt ob er meine das U-Bahn fahren in einem Erdbeben Gebiet eine gute Idee sei. Der Arme wurde ganz blass.  Ich entschied mich dann an einer anderen Station auszusteigen und habe mich schnell von Julian verabschiedet und ihm eine gute Weiterreise gewünscht.