Obwohl mir Mendoza sehr gut gefallen hat, wollte ich wieder nach Chile. Wollte mir selber ein Bild machen ob das Reisen nach den Erdbeben wirklich so schwierig sein würde. Da es in den Bergen so schön war kam nur eine Busfahrt während des Tages in Frage. Einmal mehr stellte ich mir die Frage warum mein Gepäck in nur 2 Tagen sein Volumen mindestens verdoppeln konnte. Unter leisem jammern und schimpfen würgte ich alles in den Rucksack. Anschliessen ging es zu Fuss zum Busbahnhof. Da die meisten Busse Doppeldecker sind habe ich mir einen Platz in der ersten Reihe oben gebucht. Leider hatte die Panoramscheibe einen oder bessere mehrere Risse im Glas. Schade. Gleichzeitig mit mir stieg auch Julian ein. Julian der etwas hysterisch veranlagte Engländer hatte den Platz neben mir. Als Julian den Riss im Glas sah wollte er gleich Platz wechseln. Da ich aber offensichtlich geübter und abgebrühter war und einfach die Sonnenbrille anzog wollte Julian auch nicht das Weichei spielen. Kaum hatten wir die Autobahn erreicht wurden wir von einer Demonstration aufgehalten. Da das Ganze aber äusserst friedlich war, habe ich mein Sandwich ausgepackt und mich halt einfach auf einen längeren Stopp eingerichtet. Wir hatten Glück. Nach knapp 45 Minuten konnten die Reise weitergehen. Der Weg war ein ähnlicher wie ich am Vortag bei meinem Ausflug in die Berge genommen hatte. Einziger Unterschied bis zur Grenze würde sein, dass wir statt dem Pass den Grenztunnel nehmen würden. Die Fahrt war wunderschön. Das Wetter war fantastisch. Sogar der Aconcagua zeigte sich komplett wolkenlos. Da wir aber Zeit aufholen mussten die Strasse holperig und die Fensterscheibe voller Risse war, kann ich leider kein Beweisfoto liefern.
Langsam begann ich meinen Rucksack nach Dingen zu durchsuchen welche mir die Einreise erschweren konnten. Das Einführen von Milchprodukten, Früchten, Nüssen sowie Fleisch ist nämlich verboten. Julian geriet in Panik. Er hatte noch 2 Salamisandwichs in seiner Tasche. Ich habe noch nie jemanden so schnell ein Sandwich essen gesehen…. beim 2. Sandwich machte er dann schlapp und ass nur noch das Fleisch. Er würde das Brot (inkl. Butter) deklarieren oder wegwerfen….
Soweit waren wir aber noch nicht. Zuerst mussten wir durch den Grenztunnel und auf der anderen Seite des Tunnels erwartet uns eine Baustelle. Da hiess es wieder warten. Als wir zur Grenze kamen war ich gespannt wie es wohl diesesmal laufen würde. Nachdem wir den Bus verlassen hatten wurden uns zahlreiche Merkblätter in die Hand gedrückt. Richtiges Verhalten bei Erdbeben, Tsunamis und wie man Trinkwasser aufbereitet. Julian sah mich schockiert an. Da die Merkblätter spanisch geschrieben waren, verstand er natürlich gar nichts. Die Wasseraufbereitung hat ihn fertig gemacht. Auf meine Frage ob er keinen Filter und keine Wasseraufbereitungstabletten dabei habe, schüttelte er nur entsetzt den Kopf.
Die Ausreise aus Argentinen war ein Klacks. Wir mussten nur an 2 Schaltern anstehen und da die Busse nach Chile zur Zeit viele freie Sitzplätze haben dauerte das Ganze Prozedere auch nicht lange. Es folgte die Einreise nach Chile. So ein Grenzübertritt in Südamerika hat immer etwas überraschendes. Wir mussten uns in einer Reihe aufstellen, Julian immer an meiner Seite. Die Einreiseformulare wurden eingesammelt. Anschliessend mussten wir alle gemeinsam vortreten und unser Handgepäck auf einen langen Tisch legen. Jetzt kamen die Hunde und suchten verbotene Substanzen, also Früchte, Käse und Fleisch. Ich muss wohl nicht erwähnen das sich der Hund ganz speziell für mein Handgepäck interessierte. Jetzt war es an Julian mir einen triumphierenden Blick zu zuwerfen. Der Hund fand natürlich nichts. Jetzt wurde unser ganzes Gepäck, auch das Handgepäck, noch geröngt. Dann hiess es zurück in den Bus. Dort vermisste ich Julian…. sein Gepäck wurde zerlegt… jetzt triumphierte ich. Aber nur ein bisschen.
Die restliche Fahrt verlief ganz ruhig. Nachdem wir vorher auf über 3000 Meter hochgefahren sind, hiess es nun den Pass wieder runterzufahren. Am späteren Nachmittag kamen wir dann in Santiago an. Ich besorge mir am Busbahnhof immer einen Stadtplan. Julian fand das eine Gute Idee. Er folgte mir wie ein Schatten. Du sprichst wenigstens die Sprache, war sein Argument. Da Julian bereits ein Hotel gebucht hatte, überlegte ich mir ob ich einfach mit ihm gehen sollte. Ich hatte nämlich noch keine Unterkunft gebucht. Nachdem wir den Stadtplan hatte, stellte sich herraus, dass die Lange von seinem Hotel nicht so toll war. Schade. In Santiago gibt es eine U-Bahn und Julian wollte mit der U-Bahn zu seinem Hotel fahren. Ok. Gegen U-Bahn ist ja nichts einzuwenden. Als wir im Untergrund auf unsere Bahn warteten wollte Julian nochmals eine Übersetzung der Erdbeben Merkblätter. Nach kurzem Zögern habe ich ihn dann gefragt ob er meine das U-Bahn fahren in einem Erdbeben Gebiet eine gute Idee sei. Der Arme wurde ganz blass. Ich entschied mich dann an einer anderen Station auszusteigen und habe mich schnell von Julian verabschiedet und ihm eine gute Weiterreise gewünscht.





